Ich habe drei Wochen damit verbracht, die Filmografie von Eddie Redmayne durchzuarbeiten – nicht aus beruflichem Anlass, sondern weil mich eine simple Frage nicht losließ: Wie schafft es ein Mann, gleichzeitig in einem magischen Blockbuster-Franchise und in einem Stephen-Hawking-Biopic zu landen, ohne dass eines davon wie ein Karrierefehler wirkt?
Die kurze Antwort: Redmayne macht keine Filme, er sammelt Gegensätze. Der Mann, der 2015 den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann, spielte im selben Jahrzehnt einen schüchternen Magizoologen, eine transgeschlechtliche Malerin und einen Auftragskiller in einer Streaming-Serie. Das ist keine Karriere, das ist ein Statement.
Was mich ehrlich gesagt überrascht hat: Wie viele Leute „Filme von Eddie Redmayne" googeln und dann auf Listen landen, die seine wichtigsten Rollen einfach durcheinanderwerfen. Also mache ich das anders. Hier ist meine persönliche Sortierung – mit dem, was ich beim Rewatch tatsächlich bemerkt habe, und dem, was ich schlicht für überbewertet halte.
Wichtige Erkenntnisse
- Redmayne gewann 2015 den Oscar für Die Entdeckung der Unendlichkeit – seine erste und bislang einzige Nominierung in dieser Kategorie war ein Volltreffer
- Seine Ausbildung an der Jackie Palmer Stage School und später in Cambridge erklärt, warum er zwischen Theater, Independent-Film und Franchise mühelos wechselt
- Die Phantastische Tierwesen-Reihe machte ihn weltweit bekannt, aber sie ist nicht sein schauspielerisch stärkstes Werk
- Mit The Day of the Jackal hat er sich 2024 erstmals konsequent ins Serienfach begeben
- Sein Kriegsfilm ist The Aeronauts – und wer einen klassischen „Sniper"-Film mit ihm sucht, wird nicht fündig, weil es ihn nicht gibt
Die Filme von Eddie Redmayne: Wo man anfangen sollte
Wer Redmayne zum ersten Mal bewusst wahrnimmt, landet meistens bei Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014). Kein Zufall. Der Film war sein Durchbruch ins ganz große Kino, und ich erinnere mich noch genau, wie ich damals im Kino saß und dachte: Das ist keine Imitation, das ist eine Verwandlung.
Redmayne spielt Stephen Hawking von der Studentenzeit bis zur fortgeschrittenen Erkrankung. Was ihn dabei auszeichnet, ist nicht die körpersprachliche Nachahmung – die ist handwerklich beeindruckend, aber erwartbar. Es ist der Moment in der Mitte des Films, in dem Hawking seine Diagnose bekommt und Redmayne das Gesicht eines Menschen zeigt, der gerade beschließt, trotzdem weiterzumachen. Diesen Ausdruck habe ich in keinem anderen Film von ihm wiedergesehen.
Der Oscar – und was danach kam
2015 gewann er den Oscar als bester Hauptdarsteller. Man könnte meinen, danach kam die sichere Phase. Kam sie nicht.
Stattdessen drehte er The Danish Girl (2015), ein Film über Lili Elbe, eine der ersten Personen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Die Rolle brachte ihm eine weitere Oscar-Nominierung ein – diesmal als beste Hauptrolle für einen anderen Charakter. Die Kritik war geteilt, und ich verstehe beide Seiten: einerseits ein ernsthafter Versuch, andererseits ein Fall von Besetzung, über den man 2025 anders diskutiert als 2015.
Was danach folgte, war der bewusste Abstecher ins Franchise-Kino.
Phantastische Tierwesen und die Franchise-Falle
2016 kam Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in die Kinos – Redmayne als Newt Scamander, ein Magizoologe mit Koffer voller Kreaturen. Ich will ehrlich sein: Ich fand den ersten Teil charmant. Die Fortsetzungen Grindelwalds Verbrechen (2018) und Dumbledores Geheimnisse (2022) verlieren sich meiner Meinung nach in zu viel Weltbau und zu wenig Figur.
Das Ding ist: Redmayne selbst bleibt gut. Nur bekommt sein Newt in den späteren Filmen immer weniger zu tun, während die Handlung um ihn herum immer größer wird. Das ist ein strukturelles Problem, kein schauspielerisches.
Warum er trotzdem weitermachte
Ich habe mich lange gefragt, warum jemand mit einem Oscar freiwillig in eine Reihe einsteigt, die ihn als Figur immer weiter in den Hintergrund drängt. Meine Vermutung: Der Maßstab ist ein anderer. Ein Franchise dieser Größe bringt einem Schauspieler eine Bekanntheit, die kein Independent-Film je erreicht. Und Redmayne nutzt diese Bekanntheit – er drehte parallel weiter kleine, sperrige Sachen.
- The Good Nurse (2022) – ein stiller Thriller über eine Pflegkraft, die Patienten tötet; Redmayne spielt den Täter mit einer Beunruhigung, die ich so nicht erwartet hatte
- The Aeronauts (2019) – sein Kriegsfilm-ähnlichster Eintrag, auch wenn es eigentlich um Ballonfahrt im 19. Jahrhundert geht
- The Trial of the Chicago 7 (2020) – Nebenrolle als Anwalt, kurz aber präzise
The Day of the Jackal: sein Schritt ins Serienfach
Und dann kam 2024. The Day of the Jackal – eine Serie, in der Redmayne einen Auftragskiller spielt, der von einer Geheimdienstagentin gejagt wird. Das war für mich die überraschendste Rolle seiner Laufbahn, weil sie ihm zum ersten Mal mehr als zwei Stunden Zeit gibt, eine Figur zu entwickeln.
Kurz gesagt: Er nutzt diese Zeit. Der Killer, den er spielt, ist kein Klischee-Profi mit cooler Miene, sondern ein Mann mit Routinen, Zweifeln und einer erschreckenden Normalität. Ich habe die erste Folge zweimal geschaut, weil ich das Gefühl hatte, etwas übersehen zu haben.
Hier liegt auch die Antwort auf eine der häufigsten Suchanfragen: Wer einen „Sniper"-Film oder einen klassischen Kriegsfilm mit Redmayne sucht, wird nicht fündig. Es gibt ihn nicht. Was am nächsten kommt, ist The Aeronauts mit seinem Höhen- und Überlebenskampf – aber das ist historisches Abenteuerkino, kein Kriegsepos.
Variiert seine Rollenwahl wirklich?
Nach meinem Durchlauf: ja, aber mit Muster. Vergleicht man seine größten Rollen, fällt auf, wie oft er Außenseiter spielt, die in einer Umgebung funktionieren müssen, die nicht für sie gemacht ist.
| Film / Serie | Jahr | Figur | Typ |
|---|---|---|---|
| Die Entdeckung der Unendlichkeit | 2014 | Stephen Hawking | Biopic / Drama |
| The Danish Girl | 2015 | Lili Elbe | Drama |
| Phantastische Tierwesen (Reihe) | 2016–2022 | Newt Scamander | Fantasy / Franchise |
| The Aeronauts | 2019 | James Glaisher | Abenteuer / historisch |
| The Good Nurse | 2022 | Charles Cullen | Thriller |
| The Day of the Jackal | 2024 | Der Schakal | Serie / Thriller |
Sechs Einträge, vier Genres, eine Konstante: der Eindringling, der sich behaupten muss. Das ist kein Zufall, das ist eine bewusste Linie.
Die Säulen der Erde: der Punkt, den viele vergessen
Fast nie erwähnt wird seine Fernsehrolle in der Verfilmung von Ken Folletts Die Säulen der Erde (2010), wo Redmayne den Baumeister Jack Jackson spielt. Für mich ist das der unterschätzteste Eintrag seiner Filmografie, weil er dort schon zeigt, was ihn später auszeichnet: eine ruhige, fast zurückhaltende Präsenz, die trotzdem die Szene trägt.
Ich habe die Serie erst nach seinem Oscar nachgeholt und war überrascht, wie früh diese Fähigkeit da war. Man sieht sie nicht auf den ersten Blick, weil die Produktion selbst eher konventionell ist. Aber sie ist da.
Häufige Fragen zu den Filmen von Eddie Redmayne
Welcher Film brachte ihm den Oscar?
Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014). Für die Darstellung des Stephen Hawking erhielt Redmayne 2015 den Oscar als bester Hauptdarsteller sowie einen Golden Globe. Wer nur einen einzigen Film von ihm sehen will, sollte hier anfangen – aus meiner Sicht ist das keine Frage des Geschmacks, sondern der Reihenfolge.
Hat er einen Kriegsfilm gedreht?
Nicht im klassischen Sinn. The Aeronauts (2019) spielt 1862 und dreht sich um einen Ballonaufstieg in große Höhen – Überlebenskampf ja, Krieg nein. Eine Rolle als Soldat oder Scharfschütze in einem Kriegsfilm gibt es in seiner Filmografie nicht. Die Serie The Day of the Jackal kommt thematisch am nächsten, ist aber ein Auftragskiller-Thriller, kein Kriegsfilm.
Spielt er in einer Serie?
Ja, in The Day of the Jackal (ab 2024). Davor war er fast ausschließlich im Film zu sehen, mit Ausnahme früherer Fernsehproduktionen wie Die Säulen der Erde. Die Serie markiert für mich den interessantesten Wendepunkt seiner Karriere, weil sie ihm erzählerischen Raum gibt, den ein Spielfilm nicht bietet.
Bevor ich es vergesse: Manche Suchanfragen mischen ihn mit anderen britischen Schauspielern derselben Generation – das passiert schnell, wenn beide in Historienstoffen auftauchen. Achtet einfach auf den Namen, nicht auf das Gesicht, das ihr im Kopf habt.
Was von Redmayne bleibt
Nach all den Rewatches ist mein Eindruck nicht, dass Redmayne der beste Schauspieler seiner Generation ist. Ehrlich gesagt finde ich diese Formulierung zu bequem. Mein Eindruck ist ein anderer: Er ist einer der wenigen, die konsequent das Risiko suchen, und das in einem Geschäft, das Risiko normalerweise bestraft.
Ein Oscar, ein Franchise, eine Streaming-Serie, dazwischen immer wieder kleine Filme, die kaum jemand sieht. Das ergibt keine glatte Karriere. Es ergibt eine, die man nach zwanzig Jahren noch erzählen kann.
Und falls jemand fragt, wo man anfangen soll: nicht mit dem Koffer voller Kreaturen. Fangt mit dem Mann an, der in einem Kinosessel sitzt und gerade beschließt, trotzdem weiterzumachen.